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Allerletzte Frage im April

Herr Kummer weiß Antwort

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Lieber Herr Kummer, ich muss Home-Office machen, mein Mann ebenfalls. Die Kinder (zwei, 9 und 4 Jahre) sind Zuhause. Die erste Woche war angespannt, die zweite dramatisch, die dritte katastrophal. Ich befürchte nun Schlimmstes (Haben Sie „Shining“ gesehen?). Was soll ich tun?

Natürlich habe ich „Shining“ gesehen. Ich habe in den letzten Wochen jeden einzelnen Streifen gesehen, der jemals gedreht wurde. War das nicht dieser Film, wo 300 Spartaner den grünen Stasi-Spion Shreck mitsamt seiner Titanic-Mannschaft daran hinderten, in Dünkirchen an Land zu gehen?

Egal, Fakt ist, wir leben in gefährlichen Zeiten. Neulich erst habe ich mit einer Bekannten telefoniert, die mir erzählte, dass ein Verwandter von ihr, während er auf dem Sofa arglos schlummerte, von seinem Nachwuchs angeknabbert wurde – aus purer Langeweile! Kannibalismus, befördert durch drangvolle Enge und Isolation. Wer will es den Kindern verübeln, vielleicht sehen die kleinen ihre Kindergarten- und Schulfreunde erst wieder, wenn diese schon Bärte tragen. Jetzt braucht der Nachwuchs neue Spielkameraden und Beschäftigungsmöglichkeiten. Schaut man sich gewissenhaft in der Wohnung um, eröffnen sich erstaunliche Möglichkeiten. Ungeziefer im Haus und Schädlinge an den Lebensmitteln in der Küche kommen in den besten Familien vor. Gut geheizte Wohnungen, prall gefüllte Vorratsschränke, dunkle Ritzen – die modernen Wohnungen sind ein gelobtes Land für die ungern gesehenen Untermieter. Die Kinder könnten doch Motten, Bettwanzen oder Rüsselkäfer einfangen und dressieren. Vorbild ist hier der längst vergessene Flohzirkus. Das war vor hundert Jahren eine Jahrmarktsattraktion, bei der abgerichtete Flöhe winzige Kutschen oder Karussells bewegten, Bälle in Tore rollten und weitere Kunststücke vorführten. So eine Dressur ist zeitaufwändig und anspruchsvoll, die Kinder wären lange beschäftigt.

Eine weitere schöne Art, den Kleinen die Zeit zu vertreiben, ist das Züchten von Kristallen. Das ist keine schwierige Angelegenheit. Die dafür benötigten Zutaten hat man zu Hause oder gibt es im Supermarkt zu kaufen. Kristalle aus Salz zu züchten ist ein einfaches Vergnügen, das gut für Anfänger und gelangweilten Nachwuchs geeignet ist. Zunächst wird Wasser in einem Topf erhitzt. Die erwärmte Flüssigkeit wird in ein Glas umgefüllt. Nach und nach wird, unter ständigem Rühren, Salz in das Wasser gegeben. Die Mischung gilt als gesättigt, wenn sich kein Salz mehr auflöst. Anschließend wird an einem Holzspieß ein dünner Faden befestigt und der Spieß waagerecht auf den Glasrand gelegt, so dass der Faden in der Salzlake hängt. Die Lösung samt Faden am Holz wird nun an einem Ort mit gleichbleibender Temperatur ruhen gelassen. Nach etwa einer Woche haben sich schließlich Kristalle an der Schnur gebildet und die Kinder können sie vorsichtig aus dem Glas nehmen. Jetzt nur noch das Ende des Fadens abschneiden und schon ist die Kristall-Schlange fertig. Dieses schöne Deko-Element kann man als Ohrring verwenden oder ins Fenster hängen. Haben die Kinder viele Kristalle gezüchtet, könnte man daraus auch eine Salzkristall-Lampe bauen. Sie brauchen dafür nur eine Lampenfassung und eine Glühbirne oder eine Halterung für Teelichter. Um diese Leuchtmittel herum flicht man die Salz-Kristall-Schlangen und schon entsteht eine harmonisierende, stressmindernde Kinderzimmerlampe, die das familiäre Zusammenleben nachhaltig entspannen könnte.

Bild: Warner Bros.
 



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