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Planen und Scheitern

Begehungen 2020 finden im Heckert-Gebiet statt

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Optimismus sei nur ein Mangel an Information, soll Heiner Müller mal gesagt haben. Demnach sind die Macher*innen des Kunstfestivals Begehungen entweder schlecht informiert, ignorant oder eben die letzten Optimisten im Kulturbetrieb. Wie auch immer: Im August soll es wieder ein Festival geben. Diesmal im Heckert-Gebiet.

Überall schreckliche Nachrichten. Überall abgesagte Festivals, geschlossene Museen und verschobene Konzerte. Horror-Nachrichten über den Zusammenbruch der Kulturlandschaft, über schließende Clubs, darbende Kinos und hungernde Künstler*innen. Und genau darein knallt das Chemnitzer Kunstfestival Begehungen die Message, dass die 2020er-Auflage wie gewohnt am dritten August-Wochenende stattfinden wird. Und weil dem so sein soll, startet am 1. April (also genau jetzt, mitten in der Apokalypse) die Ausschreibung an Künstler*innen, sich zu beteiligen. Bisschen verrückt, auf jeden.

„Im Moment gibt es für uns keine Veranlassung, dass Stattfinden der Begehungen im August in Frage zu stellen. Sollte es neue behördliche Anordnungen geben, werden wir reagieren“, stellt Luise Grudzinski vom Begehungen-Vorstand klar. Ihr Vorstandkollege Frank Weinhold beschreibt aber auch ganz aktuelle Probleme: „Natürlich gibt es eine Unsicherheit bezüglich der Bewerbungen fürs Festival. Die Begehungen sind international ausgerichtet, jedes Jahr bewerben sich über 300 Künstler*innen aus der ganzen Welt. Die weltweiten Reisebeschränkungen könnten uns zu Reaktionen zwingen. Aber im Moment ist alles Spekulation. Wir haben ja noch ein paar Wochen Zeit bis zur Entscheidung.“ Deshalb habe man sich entschieden, alle Vorbereitungen wie geplant weiterzuführen.

Das Festivalzentrum der Begehungen 2020 wird diesmal eine ehemalige Kaufhalle sein. Sie liegt, seit vielen Jahr leerstehend und mittlerweile zum Abriss freigegeben, im letzten Teilabschnitt des Wohngebiets „Fritz Heckert“. Es ist eines der letzten Gebäude, die im Wohngebiet entstanden. Sie eröffnete 1988 und diente als Nahversorgungszentrum. Neben der Kaufhalle sollen auch einige Wohnungen im Erdgeschoss eines nahegelegenen Plattenbaus als Ausstellungsorte dienen.
 
Der Titel ist gewohnt spielerisch: "Entwürfnisse :Ring8" lautet er in diesem Jahr. Entwürfnisse sei als Kunstwort zu verstehen, das Planen und Scheitern als Teil des Lebens definiert. Das Festival will laut Pressemitteilung „aktuelle und historische Lebensentwürfnisse zum Thema machen, stellt die Frage nach dem Konflikt des individuellen mit dem gesellschaftlichen Streben. Die Begehungen laden deshalb Künstler*innen aller Sparten und Stile ein, eine der letzten Stationen des DDR-Städtebaus zu beleben.“

Bleiben wir also alle optimistisch und hoffen, dass die Begehungen in diesem Jahr nicht selbst zum „Entwürfnis“ werden und stattdessen wie geplant vom 13. bis zum 16. August stattfinden können.

www.begehungen-chemnitz.de


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