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Er macht schon seit 10 Jahren Musik als Bosse und trotzdem kennen ihn viele erst seit seinem Sieg beim Bundesvision Songcontest. Um dem kursierenden Halbwissen ein Ende zu setzen, haben wir ihn mal gefragt, worauf er so steht und wo er gern abhängt, wenn er nicht gerade auf Tour ist.
„Kraniche“ ist mittlerweile schon dein fünftes Studioalbum. Hat sich bei der Entwicklung einer Platte irgendwas verändert oder gehst du da immer noch genauso ran wie früher?
Es hat sich eigentlich nichts geändert. Am allerliebsten hab ich schon einen Text fertig geschrieben, der mir irgendwie wichtig ist, und dann gibt’s einfach einen super guten Grund, da ein Lied draus zu machen. Eigentlich hab ich da gar nicht so viel gelernt, nur dass es viel mit Glück zu tun hat, viel mit guten Momenten, dass man einen guten Song schreibt. Wenn es so einfach wäre, dann würde ich wahrscheinlich auch zwei Alben im Jahr machen, das schaff ich aber nicht. 12 gute Lieder zu machen ist so schwierig.
Du hast einen Teil der Platte in Istanbul aufgenommen. Wieso ausgerechnet dort, hast du zu der Stadt eine besondere Verbindung?
Meine Frau ist Halb-Türkin und hat in der Türkei einen Film gedreht, deshalb musste sie nochmal rüber für die Promotion. Irgendwann haben meine Tochter und ich dann einfach gesagt, wir gehen jetzt mit nach Istanbul, weil ich eh gerade Schreibzeit habe. Und dann haben wir da ein halbes Jahr verbracht. Ich fühl' mich da schon sehr Zuhause und hab viele Freunde gefunden.
Wie wichtig ist es für deine Musik, an einem ganz besonderen Ort zu schreiben? Hast du bestimmte Rückzugsorte, an die du immer wieder gehst?
So was ist schon eher Luxus, find' ich. Ich war ja jetzt auch in Umbrien zum Beispiel, da merkt man schon so: Oh, über mir ist ein Feigenbaum, da hinten wächst Wein, die Luft ist lau – Mensch, mir geht’s ja richtig gut. Aber in meiner Musik geht’s ja sehr oft gar nicht um dieses Gefühl. Ich komm ja aus Hamburg, hab lange in Berlin gelebt und da ist es eigentlich schon ganz schön kalt. Das soll sich auch in meiner Musik widerspiegeln. Und am Ende glaube ich, dass ich auch in einem weißen Raum in Chemnitz dasselbe schreiben könnte.
Bald startet der zweite Teil deiner „Kraniche“-Tour. Bereitest du dich darauf speziell vor?
Ich versuche vor einer Tour immer zwei Kilo abzunehmen, das schaff ich aber meistens nicht. Sonst mache ich eigentlich nichts so explizit. Es gibt keinerlei Vorbereitungen, außer dass wir natürlich irgendwann mal noch proben müssen. Ich will bei den kommenden Konzerten ein anderes Programm haben als beim ersten Teil der Tour, nicht, dass sich die Leute langweilen. Wir werden zum Beispiel eine halbe Stunde länger spielen, und ein Akustik-Set wird es noch geben.
Gibt es für dich und deine Band Dinge, die zu einer Tour einfach dazugehören? Geht ihr zum Beispiel alle gemeinsam Essen oder hängt ihr eher den ganzen Tag im Bus?
Das kommt ein bisschen auf die Jahreszeit an. Im Sommer machen wir immer sehr viel, im Winter kommt es auch schon mal vor, dass zwei Drittel der Band im Bus liegen und aus dem Fenster gucken. Vor allem der griechische Teil der Bandbevölkerung geht bei kaltem Wetter nicht mehr raus. Ich persönlich versuch die Tage eher urlaubsmäßig zu gestalten. Städte angucken ist immer so eine Sache, die meisten kenne ich ja jetzt schon in- und auswendig - und die Fußgängerzonen sehen überall gleich aus.
Apropos - Warst du schon mal in Chemnitz?
Ich war schon oft in Chemnitz. Ich hatte hier früher mal eine Freundin, die ist jetzt aber weggezogen leider. Ich bin aber sehr gespannt, gespielt hab ich in Chemnitz nämlich noch nie.
Gibt es einen deiner eigenen Songs, den du als deinen absoluten Lieblingssong bezeichnen würdest?
Eigentlich nicht. Mit der Nummer „Frankfurt Oder“ verbinde ich noch am meisten, so privat. Oder mit „Familienfest“ oder „Istanbul“, das liegt dann aber an den Leuten, die da mitgemacht haben.
Und was hörst du sonst privat für Musik?
Ich hab da immer so Phasen. Ich hing jetzt ein Jahr lang auf deutschem Hip Hop. Jetzt hör ich aber gerade wieder so Willie Nelson, die Fleet Foxes, so Country-Musik. Keine Ahnung warum, das liegt bestimmt am Herbst.
Hast du jemals darüber nachgedacht, musikalisch was anderes als „Bosse“ zu machen?
Ich glaube, das Letzte was ich jetzt machen würde, wäre emotionale Hip-Hop-Indie Musik, das machen ja gerade irgendwie alle. Aber ich finde, das kann der Casper von allen schon am besten. Ich baue schon immer privat auch Beats, aber irgendwie bin ich wohl schon zu alt dafür. Wenn ich jetzt so 15, 16 wäre, dann würde ich super geile Beats am PC bauen und wäre mit 23 dann ein krasser Produzent, aber der Zug ist irgendwie abgefahren. Ich bin jetzt eher in einem Alter, in dem ich überlege, mal einen Schriftstellerkurs zu belegen oder so.
Interview: Lisa Kühnert Foto: Nina Stiller
Erschienen im 371 Stadtmagazin 12/13