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Kunst hinter Scheiben

Reitbahnviertel soll mit einer Galerie im Fenster belebt werden

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Bilder von Mathilde Schliebe im Schaufenster

Als Johanna Richter im März die neue Stadtteilmanagerin des Reitbahnviertels wird, will sie etwas mit den leerstehenden Ladenlokalen in der Reitbahnstraße 19 und 21 machen. „Die Idee ist zu Corona-Anfangszeiten entstanden”, beschreibt sie die frühen Entwicklungen. „Durch die Einschränkungen stellte man sich die Frage, wie man die Fenster in dieser Zeit beleben kann”. Künstler*innen können ihre Arbeiten zeigen, welche gleichzeitig für Anwohner*innen zugänglich gemacht werden. Nach einem Treffen mit dem Oscar e.V., dem Mitbegründer und -betreiber des Kunst- und Kommunikationszentrums Weltecho, steht das Projekt fest: Eine Galerie im Fenster, kurz „GIF”. Neu ist das Ganze jedoch nicht: Bereits vor 10 Jahren gab es eine Galerie im Fenster in der ehemaligen Reitbahnstraße 48. „Wir führen die Historie einfach weiter und knüpfen daran an”, erklärt Mareike Hornof, die Kuratorin der Ausstellung.

Von Juli bis Oktober werden in leeren Schaufenstern der Reitbahnstraße 19 und 21 wechselnde künstlerische Arbeiten ausgestellt. Jeweils am 29. August und 22. Oktober wird die Ausstellung geändert und ein kleines Programm gezeigt. Die Räumlichkeiten dahinter sind nicht zugänglich, „es geht wirklich nur um die Fenster”, betont Mareike Hornof. Den Anfang machte ab 9. Juli die Chemnitzer Grafikerin Mathilde Schliebe. Es folgen unter anderem die sozialkritische Künstlerin Anne Hofmann mit Video-Interviews von Kassiererinnen während der Corona-Krise, und Andreas Grahl mit experimentellen Fotografien, die mittels einer selbstgebauten Lochkamera-Technik entstehen.

Zusätzlich werden künstlerische Arbeiten der Kreativwerkstatt des ASB Wohnzentrums und der Annenschule gezeigt und damit weitere Einrichtungen des Reitbahnviertels miteinbezogen. Mareike Hornof freut sich ganz besonders über die Zusammenarbeit mit dem ASB Wohnzentrum. Die Bewohner durften während der Corona-Krise das Zentrum nicht verlassen, waren komplett isoliert, und freuen sich deshalb umso mehr, ihre dabei entstandenen Kunstwerke zu zeigen. Und auch die Schüler*innen der Annenschule waren mit vielen Veränderungen konfrontiert. Laut Johanna Richter soll künstlerisch gezeigt werden, wie die Kinder die Umstellungen wahrgenommen haben.

Mit der Galerie im Fenster sollen zum einen Künstler*innen gefördert werden, die mit Chemnitz verbunden sind. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, ohne eine Beschränkung der Anzahl an Besucher*innen, auszustellen,. Zum anderen wollen Johanna Richter und Mareike Hornof die Reitbahnstraße populärer machen. „Es ist eigentlich eine ganz nette Straße, aber trotzdem noch irgendwie verschlafen”, beschreibt Mareike die Gegend. Die Straße verbindet die Uni mit der Zentralhaltestelle und der Innenstadt, wird jedoch trotz mehreren Imbissen und kleinen Läden eher als Durchgangsstraße wahrgenommen. Mareike Hornof wünscht sich durch die Galerie im Fenster mehr Aufmerksamkeit für die Ladenstraße. Es soll gesagt werden: „Die Straße gibt es, halte doch mal an, geh langsamer hier vorbei und schau dir die Fenster an”.

Weitere Termine:
29.08 | 17.00 Uhr
Ausstellung und Lesung im Schaufenster von Anne Hofmann und Julia Kiehlmann
Figurentheater von Carmen und Julia B. Jung
22.10 | 19.00 Uhr
Ausstellung von Andreas Grahl, Samira Gebhardt und Khashayar Zandyavari
Figurentheater von Carmen und Julia B. Jung

Foto und Text: Nina Fitterling

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