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Kaffee auf Augenhöhe

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Gespräche auf Augenhöhe und das Kennenlernen von bislang unbekannten Nebenmenschen hat sich das „Festival der Meinungsverschiedenheiten“ auf die Fahnen geschrieben. Eine Plattform für Wutbürger oder Gutmenschen?

Um Probleme aus der Welt zu schaffen, muss man manchmal einfach nur alle Parteien an den Tisch bekommen und diese ausdiskutieren. Eher steht keiner auf. Während manche Elternhäuser dies als Erziehungsmethode proben, so generiert die Politik auf diese Weise ab und an Ergebnisse (auch wenn es dafür viel Sitzfleisch braucht).

Stadtgesellschaftlich ist das jedoch gar nicht so einfach, alle an einen Tisch zu kriegen. Zu tief sind die Gräben zwischen den Meinungen, den Generationen, Milieus und Identitäten. Das Veranstaltungszentrum C3, zum dem auch die Stadthalle
gehört, versucht es trotzdem – allerdings verzichtet sie auf den einen und einzigen Tisch, sondern setzt auf etwa 30 Tische. Am 5. September laden die Veranstalter zum „Festival der Meinungsverschiedenheiten“ in den Stadthallenpark. „Das Festival richtet sich grundsätzlich an alle“, sagt Nicole Oeser aus dem Organisationsteam. Ziel sei es, Menschen
verschiedener Herkunft, Alters und Meinung zusammenzubringen, ihnen Möglichkeiten zum Austausch zu geben. Um eine gemütliche Atmosphäre herzustellen, werden an jedem Tisch Kaffee und Kuchen für alle Gäste bereitgestellt. An jedem Tisch sollen vier Besucher Platz finden sowie ein Moderator. „Die Moderatoren sind darin geschult, an den Tischen für eine gute Gesprächsatmosphäre zu sorgen“, so Oeser. Dazu gehöre, dass ein wertschätzender Tonfall gewahrt bleibe
und das Gespräch nicht ins Stocken gerate oder gar eskaliere. Begleitet und unterstützt wird das „Festival der Meinungsverschiedenheiten“ vom Lehrstuhl für Biopsychologie an der TU Chemnitz.

Dort würden unter anderem die Moderatoren geschult, zudem wird das Projekt auf wissenschaftlicher Ebene begleitet. Laut Nicole Oeser sei aus der Nachbereitung der Premiere der Veranstaltung im Vorjahr sogar eine Masterarbeit entstanden. „Auch diesmal werden an den Tischen Fragebögen ausliegen und die Gäste können ihre Gedanken an einer Art Pinnwand zentral äußern“, erklärt die Veranstalterin.

Eine Neuheit in diesem Jahr ist das Projekt „Erzähl uns deine Geschichte“, dort können die Gäste vor einer Kamera von ihren Gedanken, Sorgen und Ideen erzählen. Ziel der Gesamtveranstaltung sei es, das Format fest zu etablieren, sodass man über Jahre nachvollziehen könne, wie sich die Gedanken zu manchen Themen verändern und wie sich auch die  Gesprächskultur in der Stadt entwickele. In diesem Jahr rechnen die Veranstalter damit, dass das Thema Corona eine große Rolle in den Tischgesprächen spielt.

Text: Sarah Hofmann Foto: C3

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