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Gisela, Elke und vier Freunde wollen von Thum aus die Textilwelt ein bisschen besser machen.
45 Angestellte hatte die Näherei, in der Lisas Tante Gisela beschäftigt war, zu DDR-Zeiten. Nach der Wende gab es nicht mehr genug zu tun, neben ihr blieb nur Elke übrig. Beide standen kurz vor der Arbeitslosigkeit, doch bis zur Rente waren es noch ein paar Jahre. Lisa und drei ihrer Freunde beschlossen, sich der Sache anzunehmen: So entstand die Idee für Dreiklang, ein Modelabel in ebendieser Näherei in Thum im Erzgebirge, 20 Kilometer von Chemnitz entfernt.
Doch Lisa Schwalbe, Florian Eidner, Mark Teucher und Martin Jähnert wollten nicht einfach nur Kleidung produzieren – fair und nachhaltig sollte sie sein, mit gerechtem Lohn für die beiden Näherinnen. Produkte, die lokal hergestellt werden, mit möglichst kurzen Transportwegen der Zulieferer, Verpackung aus recyceltem Material und CO2-neutralem Versand. Und schön sein sollte das ganze natürlich auch. Ob die Nachfrage dafür überhaupt da ist, testeten sie mit Hilfe von Crowdfunding. „Wir wollten zum einen schauen, ob die Idee funktioniert – das kann man mit Crowdfunding super machen. Zum anderen wollten wir natürlich die erste Produktion auf den Weg bringen“, erzählt Florian. 6000 Euro waren das Ziel – 10.000 Euro wurden erreicht und Dreiklang konnte starten. Das erste Produkt ist ein Shirt, welches momentan als Basic für Männer und Frauen in schwarz und weiß erhältlich ist. Außerdem finden sich auf www.dreiklangkleidung.de Beutel aus alten Stoffen aus der Fabrik – Vintage, sozusagen.
Mit ihrer Idee der nachhaltigen Kleidung konnten sie auch Künstler begeistern. Anne Becker und Jan Kummer sind die ersten, deren Kunstwerke auf Shirts gedruckt wurden und als limitierte Edition von jeweils 300 Stück über den Online-Ladentisch gehen. Noch in diesem Jahr soll die Produktpalette erweitert werden – Hemden sind geplant. Das langfristige Ziel ist eine Komplettausstattung an Kleidung. Florian erklärt: „Wir sind zu viert, niemand von uns macht das Vollzeit, deswegen braucht es Zeit, bis etwas Neues herauskommt.“ Zwei der vier Freunde sind noch Studenten, „das ist für uns momentan kein Projekt, das uns Geld bringt, sondern eins, das uns Spaß macht und mit dem wir was Gutes tun“. Dazu gehört nicht nur das Sichern der Arbeitsplätze von Gisela und Elke, sondern auch, in den nächsten Jahren zwei neue Arbeitsplätze zu schaffen, indem Dreiklang zum Ausbildungsbetrieb wird. Neben Regionalität und Fairness liegt den Machern von Dreiklang noch eine weitere Sache am Herzen: „Wir sind transparent. Wenn jemand wissen möchte, wie es bei uns in der Produktion aussieht, kann er einfach vorbeikommen“.
Text: Maria Stephan / Foto: Fabian Thüroff
Erschienen im Heft: 06/15