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Die hohe Kunst

Konrad Henkers Radierungen im Museum Gunzenhauser

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Monatelang haust er in einem Iglu auf den Gipfeln verschneiter Berge. Doch Konrad Henker ist kein Naturforscher, er ist Künstler, der die Nähe zu seinen Motiven so sehr liebt, dass er dafür eisige Kälte und ein bisschen Gefahr auf sich nimmt.

Konrad Henkers Bilder zeigen fast ausschließlich einsame, verschneite Hochgebirgslandschaften. Voll bepackt mit Schlafsack, Outdoor-Kleidung und Metallplatten, die nach eigener Aussage „nur jeweils einen Kilo wiegen“, klettert er in die Höhe. „Die Suche nach Abenteuer ist nicht das erklärte Ziel. Ich brauche das Zwiegespräch mit der Natur“, erklärt der 36-jährige seine Motivation. „Das Schwerste sind nicht die Platten, das Schwerste ist es, das richtige Motiv zu finden“, erzählt er weiter. Ist dies aber gefunden, setzt er sich in den Schnee. Dort ritzt er die Berglandschaften in die eiskalten Metallplatten, Henker nennt das die „verschmolzene Nähe zu Natur“.
Kaltnadelradierung heißt diese Technik, bei der mit einer Nadel auf einer Metallplatte geritzt wird. Dabei wird nichts weggehobelt, sondern nur zur Seite verdrängt. Die so entstehenden Hügel sorgen während des Drucks für den Schatteneffekt, welcher die Werke lebendiger wirken lässt. Seine Bilder sind in schwarz-weiß gehalten, doch durch die verschiedene Tiefe der Ritzen und die damit unterschiedlich intensiv gedruckte Farbe ist das Bild dennoch von einer enormen Farbvielfalt geprägt. Plötzlich sind da Blautöne, Grautöne und manchmal meint man sogar das Sonnenlicht erkennen zu können. Die Schneelandschaften verbergen, ungewollt, ganz unterschiedliche Dinge: Ultraschallbilder, schlafende Menschen, Meere, ja sogar Mondlandschaften.
Seit 2001 begibt sich der Dresdner Künstler fast jedes Jahr für mehrmonatige Arbeitsaufenthalte in die Hochgebirgsregionen der Alpen, aber auch nach Japan, Norwegen und Spanien. Seine Radierungen tragen so auch Titel wie „Schwarzbödele“ oder „Hochvernagt“, die Namen der abgebildeten Bergformationen. Anja Richter, Kuratorin des Museums Gunzenhauser beschreibt ihre Faszination für Henkers Arbeit so: „Die Landschaft dient nicht als Hintergrund, sondern sie ist immer im Fokus. Konrad Henker konzentriert sich rein auf das Bergmotiv und wird einfach nicht müde, sich damit auseinanderzusetzen.“ Ein bisschen ist Konrad Henker also doch ein Naturforscher, nur eben mit anderen Mitteln.
Bis zum 17. Januar 2016 stellt das Museum Gunzenhauser im Rahmen der Reihe „Junge zeitgenössische Kunst aus Sachsen“ 23 seiner Arbeiten aus.

Text: Nina Kummer Bild: Konrad Henker, Tilisuna Fürkele, 2007, Aquatinta, Kaltnadel, Reservage, Schab-Aquatinta auf Papier, 30 x 79 cm/78 x 107 cm


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