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Heureka im Hörsaal:

Teil 7: Strom aus Sturm

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An den Hochschulen in Chemnitz, Zwickau, Mittweida und Freiberg studieren und arbeiten über 30.000 Menschen. Das „371“ will wissen, was dort so alles erforscht wird. Notwendig oder unsinnig, interessant oder einfach schräg - hier erfahrt ihr, was Forscher so forschen.

Norwegen ist ein reiches Land, nicht zuletzt wegen der in Europa einmaligen Öl- und Gasreserven. Doch im Land der Fjorde denkt man schon an übermorgen. Vor Norwegens stürmiger Küste sollen Windparks mit einer Gesamtleistung von 50 Gigawatt entstehen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, kooperieren die Skandinavier mit Wissenschaftlern der TU Chemnitz.
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Gerade in der Winterszeit, wenn es früh dunkel und oft ungenehm kalt wird, freut man sich über wärmespendende Heizkörper und elektrisches Licht. Wie schnell könnte wohl die zivilvernetzte Wirklichkeit in Chaos versinken, würden diese Selbstverständlichkeiten von einem auf den anderen Moment weg brechen. Nun ist es eines, von grüner Energie zu reden und zukunftsträchtige Visionen zu entwerfen, etwas andere jedoch, den benötigten Strom sicher und ständig zur Verfügung zu stellen. Der Fachbereich Leistungselektronik der TU Chemnitz - unter der Leitung von Professor Dr. Josef Lutz - stellt sich gemeinsam mit Forschern der Nationalen Technischen Universität Trondheim dieser Herausforderung.

„Seit September 2006 stehen wir in Kontakt mit Trondheim. Zuerst erfolgte ein Austausch von Studenten mit der norwegischen Universität, später hielt Prof. Lutz einen Kurs über die Zuverlässigkeit leistungselektronischer Bauelemente. Aber auch norwegische Forscher waren im Oktober 2009 für drei Tage in Chemnitz“, berichtet der 24 jährige Doktorand Tilo Poller. Mit der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages Ende diesen Herbstes wurde für ihn extra eine Stelle innerhalb dieses Projektes eingerichtet. In Freiberg geboren, studierte er an der TU Chemnitz die Fachrichtung Mikrotechnik/Mechatronik. „Zur Zuverlässigkeit von elektrischen Bauelementen bin ich im Rahmen meines Fachpraktikums in der Mikrosystemtechnik gekommen. Deshalb hatte ich mich an der Universität umgesehen, welche Professur ähnliche Projekte durchführt.“

Anzumerken ist: 50 Gigawatt Leistung entsprechen ca. einer Energiemenge, die ansonsten 50 Kohle- oder Atomkraftwerke liefern könnten. Doch welchen wissenschaftlichen Anteil liefern die Chemnitzer Forscher für dieses Vorhaben? Tilo Poller umschreibt es folgendermaßen: „Wir haben mehrere Aufgaben. Unser Hauptaugenmerk liegt in der Prüfung leistungselektronischer Umrichter, die Wechselstrom in Gleichstrom und umgekehrt wandeln. Wir testen in Experiment und Simulation ihren Wirkungsgrad, ihre Zuverlässigkeit und ihre Lebensdauer. Weit draußen auf See müssen die Bauelemente über Jahre zuverlässig funktionieren.“ Strom aus regenerativen Quellen ist über kurz oder lang eben mehr als nur eine kleine Komponente in unserem Energiemix. Wenn in nicht all zu ferner Zukunft Strom von der Küste Norwegens ins europäische Stromnetz eingespeist wird, dann wurde ein Grundstein dafür an der TU Chemnitz gelegt. Mögen die Winde kräftig wehen.

Text: chezz Foto: Andre Koch

Erschienen im 371 Stadtmagazin 01/10

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