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Testament des Glücks

Atomino startet Label

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Das Atomino bekommt ein Geschwisterchen: Ein Plattenlabel feiert am 8. Mai Premiere. Die Geschichte dahinter klingt märchenhaft.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Auf einer Radtour im Spreewald lässt du dir in einer Lübbenauer Bank von einem uralten, lärmenden Nadeldrucker einen Kontoauszug ausgeben. Auf einmal sind da einige Nullen zu viel – vor dem Komma – die sich als Erbe der Großtante aus dem Westen herausstellen. So ging es Randy Fischer vom Atomino, der sich nach einigem Grübeln auf die Berufsbezeichnung „Kulturmanager“ festlegt.

Ist das Geld da, muss es arbeiten, sagt eine alte BWL-Weise. Randy entscheidet sich: Statt eines Midlife-Crisis Porsche für ihn gibt es für uns künftig gute Musik aus Chemnitz auf Vinyl. Eine Entscheidung, die sich mit Blick auf Randys Lebenslauf als logisch erweist.

Fischer stammt aus Lichtenau, „wie das Wasser.“ Als Punk war er dort Außenseiter, hat auch mal auf die Fresse, aber nie einen Ort zum Wohlfühlen bekommen. 1993 dann die Chance auf Freiheit: Zivildienst. Altenpflegeheim in der Geschlossenen. Aber immerhin weg vom Dorf – und die Omis liebten ihn. Nach einigen Zickzacks im Lebenslauf landet er beim Chemnitzer Modell an der TU, dem Studiengang für alle wie ihn, die gerne Kabel zusammenstecken und an Reglern drehen, aber dennoch mit Vorliebe geisteswissenschaftlichen Hirnverrenkungen nachgehen. Zum Geldverdienen landet er zunächst hinterm Voxxx-Tresen, seit der Eröffnung des Atomino vor bald 16 Jahren gehört er zum festen Mitarbeiterstamm. Mit dem Umzug ins dritte Atomino 2007 steigt er mehr und mehr ins Booking ein, übernimmt die Pressearbeit und vor allem das ganze Technikgedöns. Manchmal „ein scheißlangweiliger Beruf“, meint Randy, aber das würden die Leute nicht hören wollen. Was soll man erzählen? Von einem Leben zwischen Excel-Tabellen und Kabeln? Trotzdem scheint Randy hier gefunden zu haben, was ihn glücklich und Arbeit zu Freizeit macht.

Im Mai wird Randy Fischer nun 40 und überdenkt „jetzt auch mal die Genese seines Berufsweges“, wie er sagt. Da kommt die kleine Erbschaft ganz recht. Ganz still steht auf dem Platten-Booklet der Schriftzug Randy Fischer Medienprodukte. Ein kleines bisschen Ruhm und Ehre für ihn allein, Geltungsdrang hin oder her. Die erste Veröffentlichung, die AG. Geige DVD, bekam Applaus. Gleiches ist für den nächsten Streich, einen 4-Tracks umfassenden Sampler zu erwarten. Ronny Trettmann und Don Kong (Jan Kummer) machen darauf gemeinsame Sache, genau wie Onkel Looping und Bombee, exklusive Tracks von Caspian Sea Monster und Cupcoon vervollständigen den Sampler. Eine Tour durch Deutschlands angesagteste Club ist in Vorbereitung, eine Playfellow-LP soll folgen. So beginnt auch das Unternehmen Label wie alles, was vom Nukleus Atomino ausgeht und scheinbar am Küchentisch über einer Flasche Pfeffi beschlossen wird: Ohne Businessplan, dafür aber mit Idealismus und Unterstützung von Freunden und Gleichgesinnten.

Text: Vera Jakubeit / Lars Neuenfeld Foto: Gladsome Fotografie

Erschienen im Heft 05/15

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